LTE - Das schnelle Netz auch für Prepaid-Tarife?

Ratgeber Titelbild zu: LTE - Das schnelle Netz auch für Prepaid-Tarife?
(© DOC RABE Media - Fotolia.com)

Noch vor wenigen Jahren war das Thema Datenübertragung im Bereich mobiles Telefonieren etwas, das nur am Rande und wenige Nutzer interessierte. Natürlich haben das Übertragen von Sprache und der SMS-Versand auch etwas damit zu tun. Doch dafür reichten die “einfachen“ Mobilfunknetze. In den Fokus des Kundeninteresses ist der Datenverkehr erst mit dem immer weiter fortschreitenden Ausbau des mobilen Internets gerückt.
Wo damals noch ein Handy genügte mit dicken, gut zu fühlenden Tasten und grauem Display, sind heute Smartphones gefordert. Sie liefern große Bilder auf leuchtenden Bildschirmen, die auf die kleinste Berührung reagieren. Sie verbrauchen schnell Akkuladung auf Akkuladung. Und sie verlangen nach einem Datenstrom, der kaum breit genug sein kann. Ein Smartphonebesitzer, der mit seinem Gerät im EDGE-Netz unterwegs ist oder gar nur auf GPRS surft, wird neben der Erfahrung der Langsamkeit auch öfter den Hinweis der Anwendungen bekommen, er wäre überhaupt nicht mit dem Internet verbunden.

Telefonie und klassischer SMS-Versand machen heute nur noch einen Bruchteil bei der Handy-Nutzung aus. Surfen, Streamen, Live-Chat, Whats up, Soziale Netzwerke, das sind die Kommunikationskanäle der Smartphonebesitzer geworden. Zuerst waren die schnellen Datennetze für Kunden im Angebot, die bereit waren, sich für mindestens 24 Monate an den Anbieter zu binden. Der Vorteil war, dass durch die Politik der Endgerätesubventionierung das passende Telefon gleich zu einem erschwinglichen Preis mit erworben werden konnte.
Prepaid zog nach. Die Geräte wurden günstiger, manchen Kunden reichte ein gebrauchtes, das ein anderer abstieß, um sich ein neues zu kaufen. Der Bedarf an kostengünstiger Telefonie ohne lange Vertragslaufzeiten machte das Modell für die Anbieter interessant. Heute bekommt der Kunde für mobile Handynutzung nahezu adäquate Leistungen geboten, wenn er sich für Prepaid statt Postpaid entscheidet.

Heutige Anforderungen und Möglichkeiten

Es ist eine Spirale, die sich immer weiter nach oben schraubt, in Bewegung gehalten durch zwei einander bedingende Faktoren. Je umfangreicher die Möglichkeiten des mobilen Datenverkehrs durch immer schnellere Netze werden, desto mehr Leistung wollen die Anbieter mobiler Inhalte einspeisen und die Nutzer empfangen. Immer wieder kippt dann die eine Seite zu einem “Mehr“, das die andere noch nicht leisten kann. Was heute benötigt wird, ist ein schnelles Netz mit breiter Datenabdeckung, um die Anforderungen von Morgen realisieren zu können.

Vergleiche

Neben den vier Mobilfunkbetreibern bieten anscheinend immer mehr Discounter Zugang zur Handytelefonie an. Beispielhaft soll hier nur auf Symio, yourfone und Klarmobile verwiesen werden. Zu diesen rein auf das Mobilfunkgeschäft ausgerichteten Anbietern gesellen sich Kaffeehändler (Tchibo), Supermärkte (Aldi, Rewe, Lidl) und TV-Sender (RTL, Pro7) Wie exotisch oder bodenständig der Zugangsanbieter zum mobilen Telefonieren auch sein mag, das schnelle LTE kann im Prepaidbereich keiner von ihnen anbieten. (Siehe unten!)

Bei den vier Großen im Geschäft stellt sich kurz umrissen das Angebot wie folgt dar:

T-Mobile

„Deutschlands bestes Netz“, wie die Eigenwerbung lautet, ist natürlich auch über LTE-Frequenzen nutzbar. Sind die Tarife des T-Anbieters ohnehin weder preiswert noch gut vergleichbar, wird bei LTE noch einmal kräftig zugelangt. Während flächendeckend für ein Grundvolumen von 500MB/Monat knapp 10 € im HSDPA-Standard fällig werden, schlägt die preiswerteste Variante im schnellsten Netz von T-Mobile mit 600 MB/Monat mit knapp 40 € zu Buche. Je nach Volumenerweiterung kommt man schrittweise auf 99,90 €. Dafür wird ein Surfvolumen in Höhe von 4 GB geboten, nach deren Verbrauch auf GPRS gedrosselt wird.
T-Mobile bietet Datentarife für unterwegs an. Das Surfen mit dem Stick kostet zwischen 29,95 € und 79,95 €. Dafür erhält der Kunde zwischen 1 GB und 30 GB ungedrosseltes Datenvolumen für den Abrechnungszeitraum. Am preiswertesten erscheint da noch der LTE-Anschluss für zuhause. Das Angebot liegt zwischen 10 GB und 30 GB im Monat bei einem Kostenfaktor von 34,95 € bis 44,95 €.

Angepriesen als Alternative für die Regionen, in denen bisher immer noch kein DSL zur Verfügung steht, bleibt die Frage, ob die Abdeckung durch das LTE-Netz tatsächlich besser realisiert ist, als mit DSL. In ländlichen Regionen mag es gleichermaßen Nachholebedarf für das Funknetz geben wie für den Festanschluss. Das gilt für die Anbieter weiter unten gleichermaßen.

Vodafone

Sie waren die Vorreiter unter den vier Anbietern und damit 2011 als Erste am Start mit dem 4G-Netz (LTE). Die Angebote sind ähnlich strukturiert wie bei T-Mobile. Bedient werden die Sparten Smartphone, Surf to go und LTE für zu Hause. Für das Handy gibt es zwischen 400 MB/Monat und 3 GB/Monat zu Kosten von 39,99 bis 79,99 €. Tarife für Surfsticks schlagen mit 24,99 € bis 44,99 € zu Buche. Dafür gibt es ungedrosseltes Volumen zwischen 3GB und 10GB. Auch hier sind die Möglichkeiten für LTE-Home wiederum am günstigsten. Wer das mobile Netz an dieser Stelle nutzen will, erhält Datentarife zwischen 5 GB und 30 GB/Monat, für die 19,99 € bis 69,99 € zu entrichten sind.

O2

Die Blauen mit dem Sauerstoff machen es bisher am Einfachsten. Ein Tarif fürs Smartphone, bei dem ab 2 GB/Monat gedrosselt wird. Kostenpunkt: 49,99 €.
Für unterwegs erhält man für 14,99 € bis 44,99 € zwischen 3 GB und 10 GB Surfvolumen.
Ebenfalls ist für die Versorgung im eigenen Heim ein klares Angebot am Start. Das abzusurfende Datenvolumen liegt bei maximal 10 GB für 14,90 €/Monat. Ab dem 13. Monat werden dann allerdings 39,90 € fällig. Zu beachten ist hier auch, dass die Geschwindigkeit mit 7,2 Mbits/s nicht tatsächlich im LTE-Bereich liegt.

Einen Hinweis verdienen unterschiedliche Kosten für Anschluss, Ersteinrichtung und, im Heimbereich, ggf. für Hardware wie Router. In diesem Zusammenhang sind auch die Preise für Festnetztelefonie eine Betrachtung wert, wenn man vergleichen will.

Base

Der Privatkundenbereich der E-plus-Gruppe bietet derzeit noch keine LTE-Tarife an. Nachdem im vergangenen Jahr noch spekuliert wurde, dass es Anfang 2013 zu ersten Angeboten kommt, müssen Kunden, die im Highspeed-Bereich surfen wollen, immer noch auf einen der drei Mitbewerber ausweichen. Bleibt zu hoffen, dass kommende Tarife einem Base-Grundsatz treu bleiben. Der Provider war der Erste, der seine Angebote klar und einfach strukturiert hatte und durch monatliche Wechselmöglichkeiten bei einzelnen Komponenten flexibel gestaltete.

LTE im Bereich Prepaid

Gibt es im Bereich der heutigen High-Speed-Netze bereits Prepaid-Tarife? Die Frage ist schnell, einfach und ernüchternd zu beantworten: Nein!
Das hat viele Ursachen. Zum einen sind die Netzanbieter, die den neuen Standard zur Verfügung stellen, mit Sicherheit noch mit dem Ausbau des Netzes beschäftigt. Ob das daran liegt, dass man aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt hat, wo es immer wieder zu Überlastungen der Kapazitäten kam, weil zu schnell zu viele Kunden freigeschaltet wurden, kann nur vermutet werden. Zum anderen wollen die Netzanbieter sicherlich zuerst die Kunden versorgen, die bereit sind, sich durch Laufzeitverträge längerfristig zu binden. Ebenfalls sollte berücksichtigt werden, dass Geräte zu erschwinglichen Endverbraucherpreisen meist nur im Zusammenhang mit einer Vertragsbindung zu bekommen sind. Die LTE-fähigen Handys sind derzeit vielen noch zu teuer.
Es bleibt abzuwarten, wie die Angebote im Einzelnen aussehen. Dass es Prepaid-Komponenten geben wird für den Heimbereich, erscheint unwahrscheinlich. Auf jeden Fall ist davon auszugehen, dass Angebote für das mobile Surfen und die „ganz normale“ Handynutzung zur Verfügung stehen werden.

Empfehlungen

Derzeit sind alle Vermutungen rund um LTE beim Prepaid reine Spekulationen. Es wird davon ausgegangen, dass es in der Mitte dieses Jahres zu ersten Angeboten kommt. Wie sich das gestaltet, ist noch völlig offen. Die Grundgebühren für LTE-Tarife im Postpaid sind so hoch, dass es abzuwarten bleibt, wie die Kostenmodelle für die Sparte der im Voraus zahlenden Kunden aussehen.
Wer sich heute für Prepaid entscheidet, sollte seine Vergleiche nicht auf die künftige Entwicklung beim LTE ausrichten. Die Fakten sind zu dünn und vage. Die Empfehlung lautet, sich den jetzt auf die Nutzungsgewohnheiten und veranschlagten Kosten ausgerichteten Tarif herauszusuchen. Zu beachten wäre lediglich, dass keine lange Bindung eingegangen wird, was bei Prepaid im Normalfall ohnehin nicht vorkommt. Der Anbieter, der heute die passenden Konditionen für das persönliche Telefonieverhalten hat, muss später nicht der Beste oder sogar nur ein Guter sein, wenn es um das schnelle Datennetz geht. Umgekehrt ist es dafür möglich.

Das Fazit: Wer auf das schnelle LTE und seine Möglichkeiten im Prepaidsektor setzt, muss sich derzeit noch in Geduld üben.

Eingestellt am: 22.02.2013

Ratgeber Archiv


» Aktuelle Ratgeber